(Foto:©
kein)
|
In 7 Stunden, Nürnberg, Faust im Staatstheater und zurück"Um 18.06 Uhr ist Treffpunkt am Bahnhof in Iphofen. Seid bitte pünktlich, wer zu spät kommt, hat Pech gehabt!" Das war die klare Ansage unserer drei Lehrer, und um das Theaterstück FAUST nicht zu verpassen, waren wir, knapp 40 Schüler, natürlich alle da. Dann ging es auch schon los. Eine Stunde Zugfahrt nach Nürnberg mit der Regionalbahn. Nach kurzem Aufenthalt in Nürnberg begann um 20.00 Uhr die Theateraufführung.Vorerst, für die, die die Handlung Fausts nicht kennen, eine kleine Zusammenfassung: Heinrich Faust, ein angesehener Forscher und Lehrer, zieht die Bilanz seines Lebens und kommt zu einem doppelt niederschmetternden Fazit: Als Wissenschaftler fehlt es ihm an tiefer Einsicht und brauchbaren Ergebnissen, und als Mensch ist er unfähig, das Leben zu genießen. In dieser verzweifelten Lage verspricht er dem Teufel Mephisto seine Seele, wenn es diesem gelingen sollte, ihn aus seiner Unzufriedenheit und Ruhelosigkeit zu befreien. Der Teufel nimmt Faust mit auf eine Reise durch die Welt, verschafft ihm Einblick, verstrickt ihn in die tragisch verlaufende Liebschaft mit dem jungen Gretchen. Und nun zur Inszenierung: Der Vorhang ging auf und der volle Saal von Schülern sah auf der Bühne eine riesige, schwarze schiefe Ebene und unten am Boden: Heinrich Faust. Dieses Bühnenbild symbolisierte seine ganze Situation, sein inneres Ungleichgewicht, seine Unstimmigkeit und seine Unzufriedenheit. Ein langer Monolog folgte, in dem verschiedene Personen hinzukamen und wieder gingen. Und letztendlich der Teufel, der blieb. Der Pakt folgte und die Reise begann. Man muss sagen, dass wir uns bei diesem ersten Teil wirklich amüsiert haben. Der Teufel mit seiner homosexuellen Neigung, Dialoge mit den verwirrten Schülern Fausts.Zum richtigen Zeitpunkt setzte der Regisseur Klaus Kusenberg hier eine Pause.Nach 20 Minuten ertönte ein Gong und die Schülermassen begaben sich wieder auf ihre Plätze. Nun folgte nach dem eher lustigen, unterhaltsamen, aber dennoch zudem ernsten ersten Teil der tragisch, bewegte, gefühlvolle zweite Teil. Wir sahen ein verändertes Bühnenbild, nämlich einen riesigen, weißen Raum, in der Mitte ein Eisenbett. Faust lernt Gretchen kennen, beide sind hin und weg voneinander. Und da wäre schon das Problem, da ihnen mehrere Steine in den Weg gelegt werden. Einerseits Gretchens Mutter, ihr Bruder und Gretchens religiöse Einstellung zum christlichen Glauben. Der Teufel ist immer zur Stelle und setzt alles daran, die Liebe der beiden zu ermöglichen und bewegt sie dazu, die Mutter und den Bruder umzubringen. Dies hat fatale Folgen, das auch noch schwanger gewordene Gretchen muss ins Gefängnis und ertränkt ihr Kind. Während den Szenen wurden wir durch Videoanimationen, die in den weißen Raum projiziert wurden, mit in das Gefühlschaos der Personen einbezogen. Die Schauspielerin des Gretchens spielte ihre Rolle sehr beeindruckend. Anfangs eher noch selbstbewusst und zum Ende des Stückes labil, verletzt und in sich zerrissen, so wirkte sie auch in der letzten Szene, als Faust sie befreien möchte. Doch es endete anders als erwartet, auch anders als es "im Buche steht": Gretchen weist Faust zurück, sie geht durch eine schwarze Tür, was wir für den Tod gesehen haben. Faust spricht letztlich einen kurzen Monolog und der Vorhang fällt. Die Schauspieler ernteten viel Applaus und da es schon 23.00 Uhr war, mussten wir uns ein bisschen schicken, um den letzten Zug noch zu erreichen. Vor und im Zug wurde noch eifrig über einige Szenen diskutiert oder auch nur geschlafen.Um halb 1 kamen wir wieder in Iphofen an, voller Eindrücke, müde und das Bett ersehnend. 01.12.2007 Anne Langer und Stefanie Graber |
