Der folgende Artikel wurde exklusiv für den Peer-Leser-Bereich der Sommerausgabe 2010 geschrieben und erst einen Monat später im E-Paper veröffentlicht:
Als der iGod dem lechzenden Publikum den Messias zeigt, gellen Jubelschreie durch die Presse. Die Erlösung scheint nahe, endlich kommt die lang ersehnte Lösung aller Probleme. Nach der Präsentation geht es los, der Messias darf bewundert werden und offenbart seine Fähigkeiten dem einfachen Volk. Die Masse ist begeistert, nichts kann den Erfolg bremsen, innerhalb von gut zwei Monaten wird der Messias 2 Millionen mal verkauft. Der iGod alias Steve Jobs, der Leiter der Apple Inc., hat es wieder einmal geschafft. Der Messias ist die neue Verführung, die neueste Versuchung von der größten Firma für mobile Geräte: das Apple iPad. Es verspricht, ein magisches und revolutionäres Gerät zu sein, die Gesellschaft ist tatsächlich in einen regelrechten Rausch verfallen. Das iPad soll schön und neu sein, die ganze Welt habe man in seiner ganzen Hand, gemäß unserem diesjährigen Motto „Schöne neue Welt”. Zahlreiche Testberichte erscheinen in international bekannten Zeitschriften, es wird heiß debattiert. Der ganze Kult um ein Kultgerät, zu dem das iPad inzwischen geworden ist, erscheint absurd. In den nächsten Zeilen wird versucht werden, etwas Klarheit zu schaffen.
Bevor ein iPad gekauft wird, sollte der Preis bedacht werden. In den USA für umgerechnet ca. 430€, in Deutschland – wir scheinen für dumm verkauft zu werden – 499€. Im Vergleich zu Computern und iPhones von Apple ist das relativ günstig. Sehr flach und sehr edel mit Aluminium-Gehäuse wird es ausgeliefert. Allerdings fehlt das, was jeder mobile Computer bieten muss: ein USB-Anschluss, um weitere Geräte anzuschließen. USB-Eingänge zum iPad müssen, genauso wie eine Tasche, externe Tastatur, und Kamera-Anschluss Kabel, ja sogar ein verlängertes Steckdosen-Kabel, extern gekauft werden. Hält man das iPad jedoch erst einmal in der Hand, ist das alles vergessen. Ein iPad in der Hand zu halten, ist anders, es lässt alle Kritiken vergessen, da hat es wirklich eine magische Wirkung. Dabei spielt die kinderleichte Bedienung sicherlich eine Rolle, sie ist sogar so intuitiv, dass Apple nicht einmal eine Bedienungsanleitung beilegt. Auf dem iPad zu arbeiten, mit extra dafür angefertigten Programmen, die für Geld im App-Store gekauft werden können, macht Freude und das fertige Produkt kann nach getaner Arbeit in alle möglichen Formate umgewandelt werden und so auch auf Windows benutzt werden. Der App-Store macht das iPad erst revolutionär, er bietet tausende und abertausende kleine Programme, die Apps, was ein Wortspiel zwischen Applikation und der Firma Apple selbst ist. Es funktionieren die iPhone Apps, doch es gibt viele iPad Apps, die speziell die hohe Leistung des iPads ausnutzen. Sie kosten teilweise viel, teilweise kein Geld und sind tatsächlich etwas Besonderes. Neben vielen Gratis-Apps gibt es Apps von 79 Cent über 7,99€ für aufwendiger gestaltete Apps bis hin zu 79,99€, wie zum Beispiel ein professionellen Navigationsapp, das sich jedoch nur mit einer mobilen-Internet-Karte, genannt 3G, als sinnvoll erweist. Mit ihnen kann man tolle Präsentationen, ähnlich wie Powerpoint, erstellen, den Spiegel lesen, Banküberweisungen erledigen, E-Mails checken, aufwendig aufgemachte Spiele erkunden, sich das Wetter vorhersagen lassen, und Bücher lesen, wofür die speziell von Apple dafür angefertigte App „iBooks” zuständig ist. E-Books auf dem iPad zu lesen ist eine völlig neue, aber trotzdem tolle Erfahrung. So simpel wie es sein sollte. Dank Bewegungssensor erscheint ein real dargestelltes Buch im Hoch- und Querformat. Ein echtes Buch jedoch kann nichts und niemand ersetzen.
Über die Mängel, wie das leicht verschmierte Display, das ansonsten so genau reagiert, dass es fast schon unheimlich erscheint, den indirekten Draht, nämlich über den Computer, zum Drucker, keine Kamera, die ungewohnte Größe, die fehlende Möglichkeit, Adobe-Formate anzuzeigen, und alles andere, was Kritiker immer zum Ausdruck bringen, lässt sich ewig diskutieren. Doch das iPad muss nicht für kostenpflichtige mobile-Internet-Gebühren ein Navi ersetzen, man muss nicht 10 Stunden lang Videos ansehen, was die stark verbesserte Akkulaufzeit ermöglicht, und das Weltall erkunden, wie es auch schon der Computer mit Google Earth konnte. Man kann aber all diese Dinge auf dem iPad machen. Es ist wie bei vielen Dingen eine Einstellungssache. Wer unbedingt das Haar in der Suppe finden möchte, der wird jenes auch finden. Die vielen Diskussionsrunden sind nur ein Vorwand für viele Menschen, die stets bemängeln, fast wie die Opposition, und es braucht solche Leute, ansonsten geht es nicht weiter, die Firmen werden sagen, man habe nun alles erreicht und die Produktion neuer Dinge könne eingestellt werden. Doch das iPad ist jetzt da. Im Herbst wird das neue Betriebssystem, auch das ähnelt einem Netbook, iOS4 für iPad mit vielen neuen und verbesserten Funktionen eingeführt werden und auch dann wird es Leute geben, die sich nicht damit anfreunden werden und viel daran auszusetzen haben. Aber letztlich bleibt es dabei. Wer ein iPad besitzen möchte, soll es sich anschaffen, denn es besitzt großes Potenzial und ist ein großer Schritt in Richtung „weg vom Schreibtisch”. Wer nicht, der soll es bleiben lassen.
Paul Gonetz, 8b

